2004/03 Kunst - Infobrief II/2004 (Armin Müller-Stahl)

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Kunst - Infobrief II/2004 (Armin Müller-Stahl)

KUNSTBRIEF FRÜHLING 2004

„Urfaust“ – 20 Original-Lithografien 

von Armin Müller-Stahl

„Transformation des Augenblicks“ – Ölbilder 

von Ruth Bussmann
Liebe Kunstfreundin,
lieber Kunstfreund

im letzten Jahr hatten Sie Gelegenheit, Arbeiten von Carin Grudda und Salvador Dalí bei uns vor Ort in Schwalbach zu sehen. Dieses Jahr feiert nun die ganze Welt den eigenwilligen Spanier …

Dalís Hundertster

2004 wäre Dalí hundert Jahre alt geworden. In seiner katalanischen Heimat ehrt ihn die Stadt Barcelona gleich mit zwei großen Ausstellungen. Doch auch außerhalb der iberischen Halbinsel werden seine Werke in aufwändigen Sonderschauen präsentiert: Bereits Anfang des Jahres war der Surrealist mit Druckgrafiken in Passau vertreten, ab September ist eine Retrospektive im Palazzo Grassi in Venedig geplant. Von Oktober bis November kommt Dalí schließlich nochmals in unsere „Nähe“, wenn die Fonderie Strassacker in Süßen bei Stuttgart Arbeiten des Meisters zeigt. Wer noch im letzten Jahr Dalí-Werke gekauft hat, kann sich jetzt gratulieren: Aktuell ist ein Wert-Anstieg aufgrund des sprunghaft erhöhten Markt-Interesses erkennbar.

Grudda im Museum

Auch die Arbeiten Carin Gruddas, die ebenfalls zuletzt in Schwalbach gastierten, sind auf dem besten Weg zu größerer Bekanntheit: Von April bis Mai findet die erste eigene Museums-Ausstellung der Künstlerin im piemontesischen Alessandria statt. Ein echter Meilenstein in der Karriere Gruddas. Denn die Auswahl ihrer Werke durch ein Museum kommt in der Kunstwelt einem „Ritterschlag“ gleich. Stolze Besitzer von Grudda-Plastiken, -Grafiken oder -Bildern können sich also mitfreuen. Und sollten Sie zu den reiselustigen Kunstliebhabern zählen, sei Ihnen ein Abstecher ins frühlingshafte Norditalien, unweit der blühenden Riviera und Wahlheimat Carin Gruddas, ganz besonders ans Herz gelegt. Doch warum in die Ferne schweifen …

„Nach Schwalbach, der Kunst wegen“

Insgesamt hat die Ausstellung „Wo die Rätsel bleiben … Carin Grudda trifft auf Salvador Dalí“ für viel positive Resonanz gesorgt und darüber hinaus – wie die Pressestimmen zeigen – Interesse für Schwalbach selbst geweckt.
So war zu lesen, dass anlässlich der Ausstellung „immer wieder auswärtige Kunstliebhaber“ gesehen wurden, die Bronze-Stücke „für Gesprächsstoff, selbst unter Fremden“ sorgten und „Grudda-Liebhaber von München bis Kassel“ eigens angereist waren. Das Konzept, Kunst und Stadtkultur durch Exponante im öffentlichen Raum miteinander zu verbinden, ist jedenfalls voll aufgegangen. Und so war die ungewöhnliche Skulpturenschau nicht zuletzt auch Werbung für den Standort Schwalbach und dessen Lebensqualität

Goethe, Doktor Faust und Armin Müller-Stahl

Armin Müller-Stahl: Der Zauberlehrling ? Original-Lithografien ? Blattgröße 49,4 x 63,4 cm

Eine kleine Kabinett-Ausstellung eröffnet die diesjährigen Aktivitäten unserer Galerie: Vom 6. April bis zum 2. Mai sind 20 Original-Lithografien zu sehen, in denen sich Armin Müller-Stahl mit Goethes „Urfaust“ auseinandersetzt. Dabei arbeitet der gefeierte Schauspieler, mehrfache Grimme-Preisträger und Thomas Mann-Darsteller nicht illustrierend eng am Text. Vielmehr nimmt er stichwortartig Handlungsfetzen auf, um sie in assoziativen Themenbildern frei zu arrangieren.

Neue Sicht des alten Stoffes

Die Grafiken zeugen von einer eigenständigen Sichtweise und spontanen Behandlung des überlieferten Stoffes. Sie stehen für sich, sind persönliche Deutungen, die sich von Goethes frühester Faust-Fassung selbstbewusst emanzipiert haben. So hält sich Müller-Stahl auch nicht an den Handlungsablauf des Textes, was die Reihenfolge seiner einzelnen Lithografien angeht. Wortlaut und Handlung der uns bekannten Goethe-Dichtung können daher nur als thematische Basis für einen ersten Zugang dienen. Als Betrachter sind wir aufgefordert, unsere eigenen Assoziationen und Vorstellungen ins Spiel zu bringen, um die besondere Qualität der Kompositionen Müller-Stahls zu erleben. Lassen wir uns also einfach auf diese spannende ästhetische Herausforderung ein!

Faust-„Hörabende“

Armin Müller-Stahl: Auerbachs Keller ? Original-Lithografien ? Blattgröße 49,4 x 63,4 cm

In Anlehnung an die gezeigtenLithografien hören Sie an zwei Abenden in der Galerie selteneOriginal-Tondokumente der legendärenFaust-Inszenierung von und mit Gustav Gründgens:
Donnerstag, den 29. April und Mittwoch, den 5. Mai, jeweils um19.30 Uhr. Der Eintritt von 5,– Euro ist zugunsten der Kinderkrebsstationder Uniklinik Frankfurt. Wir bitten um Voranmeldung, da dieTeilnehmerzahl begrenzt ist: Telefon 06196 / 8 2121.

Art Frankfurt „zu Gast“ in Schwalbach

Im Vorgriff auf unsere große Herbstausstellung und begleitend zum Frankfurter Kunst-Highlight im Frühling, der Art Frankfurt, zeigen wir Ihnen in der Galerie vom 3. bis zum 30. Mai Werke der Künstlerin Ruth Bussmann. 


Ruth Bussmann: Boot ? 2001, Öl auf Leinwand ? 100 x 120 cm

Auf der Art Frankfurt präsentiert die Wuppertaler Galerie Epikur die Künstlerin im Rahmen einer Gruppenaustellung mit aktuellen Arbeiten auf Papier. Parallel dazu sehen Sie in Schwalbach Tafelbilder von ihr aus dem Zyklus „Transformation des Augenblicks – Menschenbilder“.

Menschen in Momentaufnahmen

Ruth Bussmann: Kind ? 2002 ? Öl auf Leinwand ? 40 x 50 cm

In Bussmanns figurativer Malerei steht das Thema „Mensch“ im Mittelpunkt. Hierzu fängt die Künstlerin ihre Bildmotive zunächst in zahlreichen Fotos ein, bevor sie mit dem eigentlichen Malen beginnt. Ihre Schnappschüsse zeigen Menschen im Schwimmbad, am Strand oder auf der Wiese. Aus diesen Momentaufnahmen wählt Bussmann einzelne Figuren oder Gruppen von Menschen aus, die sie dann in ihren Gemälden zu atmosphärisch dichten Kompositionen montiert.

Möglichkeiten des Gegenständlichen

Ruth Bussmann formt ihre meist gesichtslosen Figuren aus breiten, mit großer handwerklicher Sicherheit gesetzten Pinselstrichen. Der Künstlerin geht es dabei nicht um die Details. Vielmehr lotet sie in ihren „Menschenbildern“ die Möglichkeiten des Gegenständlichen an sich aus. So lösen sich ihre Pinselstriche von der ohnehin reduzierten Form der Figuren ab und verschwimmen mit dem dahinter liegenden Bildraum.

Das Leben als Schnappschuss

Ruth Bussmann: Garten I ? 2002 ? Öl auf Leinwand ? 120 x 160 cm

Der fotografische Eindruck des Momentanen geht durch diese Abstraktion jedoch keineswegs verloren. Im Gegenteil: Bussmann betont in ihren Kompositionen den fotografischen Stil von Schnappschüssen sogar noch: Immer wieder zeigt sie Figuren, die uns als Betrachter den Rücken zukehren oder in eiliger Bewegung begriffen sind. Auf einigen ihrer Tafelbilder sind Teile von Figuren am Bildrand einfach abgeschnitten – wie auf spontan geknipsten Urlaubsfotos.

Einstimmen auf Sommer und Urlaub

Zugleich strahlen Bussmanns Bilder etwas sehr Positives und Lebensbejahendes aus: Denn sie leuchten uns in kräftigen Farben entgegen und zeigen die Figuren oft an sonnendurchfluteten Orten sommerlich unbeschwerter Erholung. Nicht von ungefähr sind gleich mehrere Tafeln nach dem italienischen Urlaubsort Imperia an der Küste Liguriens benannt. Hier hält sich die Künstlerin selbst gern während des Sommers auf, um am Strand oder Swimming-Pool mit ihrer Kamera auf Motiv-Jagd zu gehen. Für uns ein willkommenes Zeichen, das Grau des Winters endlich zu vergessen und den Blick auf die schönste Jahreszeit zu richten … In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen sonnigen Start in den Frühling und freue mich darauf, Sie in unserer Galerie erneut begrüßen zu dürfen. 

Mit den besten Grüßen aus Schwalbach,

Ihr

Peter Elzenheimer
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