2004/09 Kunst - Infobrief III/2004 (Ruth Bussmann)

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2004/09 Kunst - Infobrief III/2004 (Ruth Bussmann)

KUNSTBRIEF HERBST 2004 

„Transformation des Augenblicks“ – 

aktuelle Arbeiten von Ruth Bussmann 

„Trilogie des Anfangs“ – Neues von Carin Grudda 
Liebe Kunstfreundin,
lieber Kunstfreund

nichts Geringeres als „das Dasein an sich“ versucht Ruth Bussmann in ihren Arbeiten subtil auszuloten. Es sind die inneren Zustände, die Stimmungen und Gefühle, die sie interessieren. Mit gestischem Malduktus spürt die Künstlerin den menschlichen Befindlichkeiten nach, um den Betrachter zur Reflexion über die Vielgesichtigkeit und Fragilität des Seins anzuregen. Von der in der Nähe von Wuppertal, im Bergischen Land, lebenden und arbeitenden Malerin konnten wir Ihnen bereits im Mai dieses Jahres – parallel zur Art Frankfurt – einige Tafelbilder bei uns in Schwalbach zeigen. Am 10. Oktober startet wie damals angekündigt ihre große Einzelausstellung in der Galerie Elzenheimer mit einer ganztägigen Vernissage von 11 bis 17 Uhr. Unter dem Titel „Transformation des Augenblicks“ sind dann vom 11. Oktober bis zum 28. November die Arbeiten Bussmanns in der Galerie zu sehen. Dabei konzentriert sich die Ausstellung nicht nur auf die „Menschenbilder“, gezeigt werden auch die menschenleeren, abstrakten Landschaften der Künstlerin. 

Form und Inhalt

Ob Menschen oder Landschaften, immer geht es Ruth Bussmann um das Unterbewusste und die damit verbundene Atmosphäre des Unbekannten, des potenziell „Gefährlichen“ und daher Ängstigenden. Bussmanns Bilder erschließen sich dem Betrachter nicht auf den ersten, oberflächlichen Blick. Vielmehr verlangen sie ein genaues Hinsehen, ein „Sich-Einfühlen“. Denn Inhalt und Form bedingen hier einander: Bussmanns malerischer Ausdruck transportiert zugleich das Thema ihrer Bilder. So gerät zum Beispiel der Hintergrund in den „Menschenbildern“ mehr und mehr zur reinen Farbraumfläche, von der sich die streng ins Bild gesetzten Figuren zunehmend abheben. Die formale Gestaltung schafft Distanz und macht auf diese Weise die Isolation des Menschen als zentrales Thema der Bilder für den Betrachter sinnlich erfahrbar. Hinzu kommt, dass Bussmann auf eine naturalistische Farbgebung weitgehend verzichtet. Vielmehr betonen ihre Farben die Künstlichkeit des Gezeigten: „Es ist ein anderes Grün“, so die Malerin angesichts ihrer Naturdarstellungen wörtlich, „das etwas Künstliches und Flirrendes hat.“ Gewissermaßen übertreiben die Farben das in den Bildern vermeintlich dargestellte Idyll, um es auf diese Weise zu unterlaufen. Auch die in den Bildern leitmotivisch wiederkehrenden Schatten tragen zur Brechung der Leichtigkeit des Dargestellten bei und stellen den jeweils gezeigten Zustand damit grundsätzlich infrage. Es steckt bei Bussmann immer ein „Mehr“, ein „Andersartiges“ dahinter als uns der erste Blick glauben machen will. 

Die Tiefe des Seins

Ruth Bussmann: Imperia V ? 2003 ? Öl auf Leinwand ? 20 x 60 cm

Bussmanns spezifische Sicht des Daseins kommt besonders in ihren „Poolbildern“ zum Ausdruck. Denn hier lässt sie uns geradezu sinnbildlich die Doppeldeutigkeit und Tiefe des Seins anhand des Elements „Wasser“ spüren: Das Wasser ist im positiven Sinne Ursprung des Lebens, es kann uns tragen und dient hier in den Bildern ganz konkret dem sommerlichen Vergnügen am Pool. Zugleich birgt es aber auch eine ängstigende, da unbekannte Tiefe und kann im schlimmsten Falle sogar lebensbedrohlich sein. Inwiefern diese unbekannte Tiefe auch im Sinne einer klassisch psychologischen Deutung bei Bussmann angelegt ist, mag jeder für sich selbst vor den Bildern ergründen. Wie das Licht und der Schatten, so meint jedenfalls auch das Wasser in den Bildern Ruth Bussmanns Positives wie Negatives, Fröhliches wie Trauriges, Oberfläche wie Tiefe, Bewusstes wie Unbewusstes. Entsprechend ist das Idyll bei Bussmann kein absoluter, kein gesicherter Zustand. Vielmehr kann das Idyll jeden Moment zerbrechen und in eine konträre Befindlichkeit umkippen. Alles bleibt offen, alles scheint in den Bildern enthalten. Genau dies ist es, was die Auseinandersetzung mit den Werken Bussmanns so spannend macht. Eben weil in ihren Bildern grundsätzlich beide Seiten des Lebens – die bekannte wie die unbekannte – angelegt sind, werden wir als Betrachter dazu aufgefordert, über die Bedingungen des Daseins, über die „conditio humana“ an sich zu reflektieren. Und so können wir in der Auseinandersetzung mit Bussmanns Bildern letztlich immer auch etwas über uns selbst als einzelnes Individuum in der Welt erfahren. 

Natur als Ort der Selbstbetrachtung

Ruth Bussmann: Rücken ? 2002 ? Öl auf Leinwand ? 100 x 50 cm

Wie passen nun jene menschenleeren Landschaften, die eine weitere wichtige Werkgruppe Ruth Bussmanns bilden, in das eben skizzierte künstlerisch-philosophische Konzept? Gerade weil in ihren abstrakten Landschaften Menschen nicht vorkommen, wird letztlich auch hier wieder die Isolation des Einzelnen thematisch. Denn es ist das Gefühl des „Aufsich- selbst-zurückgeworfen-Seins“, das „Sich-selbst-Spüren“, was uns angesichts des leeren Naturraums ergreift, und das Ruth Bussmann in der Abstraktion der Landschaft nachzuempfinden und für den Betrachter spürbar zu machen sucht. Insofern geht es also auch in den Landschaftsbetrachtungen Bussmanns um das Hervorrufen einer ganz ähnlichen Stimmung wie schon in den „Menschenbildern“. Auch die Landschaften dienen der künstlerischen „Übersetzung“ dessen, was Bussmann in ihrer Kunst generell zum Ausdruck bringen will. Gewissermaßen nähert sich die Künstlerin ihrem Grundthema – „dem Sein an sich“ – hier lediglich aus einer anderen Perspektive. Der Prozess der künstlerischen „Übersetzung“ aber ist sowohl bei den Menschenbildern als auch bei den Landschaften stets derselbe: Zunächst fertigt Bussmann Schnappschüsse von ihren Motiven an. Die Kamera ersetzt gleichsam den Skizzenblock. Die noch nicht weiter reflektierte und eher instinktiv entstandene Momentaufnahme bildet die Basis für die eigentliche künstlerische Behandlung. Im Atelier versucht Bussmann der emotionalen Stimmung, die im Moment der Aufnahme herrschte, mittels der Malerei näherzukommen. Dem Gefühl soll die Form Ausdruck verleihen. Dabei entsteht etwas Neues, etwas Eigenes, das die Künstlerin zwar geschaffen hat, das jedoch grundsätzlich einen autonomen Status beansprucht. So dient der Prozess des Malens selbst – wie schon das Arrangement der Figuren und die Farbgebung – der Distanznahme und Abstraktion. In der malerischen „Transformation des Augenblicks“ ensteht auf diese Weise etwas Allgemeingültiges, vom Individuum und dessen persönlichen Gefühlen Losgelöstes Dies ermöglicht überhaupt erst den Blick auf „das Dasein an sich“ von einer höheren und allgemeineren Warte aus. Das Innenleben, die Gefühlswelt der dargestellten Menschen erschließt sich über die äußere Form und steht auf diese Weise bei Bussmann zugleich stellvertretend für das „Mensch-Sein“ allgemein. Deshalb zeigt uns die Künstlerin lediglich gesichtslose, nicht näher definierte Figuren aus breiten, mit gestischem Impetus gesetzten Pinselstrichen. Wahrscheinlich liegt in ebenjener formalen Übersetzung des Individuellen ins Allgemeine der geheimnisvolle Reiz der Werke Bussmanns begründet. 

Erweiterte Ausstellung

Ruth Bussmann Landschaft IV ? 2002 ? Öl auf Leinwand ? 20 x 30 cm

Mit der Ausstellung „Transformation des Augenblicks“ verfolgen wir zugleich ein für die Galerie Elzenheimer neues Konzept: Vom 11. Oktober bis zum 28. November sind Ruth Bussmanns Werke in Schwalbach zu sehen. Ab dem 13. November wird die Ausstellung erweitert, insofern weitere Arbeiten der Künstlerin im Foyer des Golfclubs „Hof Hausen vor der Sonne“ in Hofheim gezeigt werden. Hier findet dann auch am 28. November die Finissage statt, mit der die übergreifende Ausstellung an beiden Ausstellungsorten endet. Zusätzlich wird Ruth Bussmann während der Ausstellung in Schwalbach vom 28. Oktober bis zum 1. November auch auf der „Art Cologne“ in Köln durch die Galerie Epikur vertreten sein.
 
Neues von Carin Grudda

Ruth Bussmann Hippodrom XIII ? 2001 ?Öl auf Hartfaser ? 100 x 70 cm

Die im vergangenen Kunst-Brief erwähnte Museums-Ausstellung von Werken Carin Gruddas im norditalienischen Alessandria war für die Künstlerin in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Nicht nur, weil die Ausstellung im Museum grundsätzlich ein wichtiges Zeichen öffentlicher Anerkennung ist und somit einen weiteren Markstein ihrer Karriere verkörpert, sondern auch, weil der Zuspruch so enorm war, dass gleich zwei ihrer Arbeiten angekauft wurden. Die „große Frau“, uns noch bestens bekannt, da sie in ihrer stattlichen Erscheinung weithin sichtbar vor dem Wirtshaus „Mutter Kraus“ in Schwalbach stand, wurde vom Gesundheitsamt in Alessandria erworben und wird nun dort bald vor der Krebsklinik aufgestellt. Im Oktober soll das Werk dazu eigens mit einer Lasershow eingeweiht werden. Die Lichtshow wird von ebenjenen Künstlern gestaltet, die schon am „Ground Zero“, in New York, eindrucksvolle Lichtsäulen anstelle des Twin Towers in den Himmel strahlen ließen. Die große „Blau Miau“, jene Plastik, die uns noch vor einem Jahr am Eingang zur Galerie begrüßte, wurde von privater Hand dem örtlichen Kinderkrankenhaus in Alessandria gestiftet. 

Trilogie des Anfangs

Und noch etwas Erfreuliches gibt es von Carin Grudda zu berichten: Anlässlich unserer Dalí-Grudda-Ausstellung, im vergangenen Herbst, hat die Künstlerin hier bei uns vor Ort in der Galerie per Zufall eine kleine Tonfigur von sich wiederentdeckt, die noch aus den Anfängen ihrer plastischen Arbeiten stammt. Grudda nahm diese „Begegnung“ zum Anlass, auf Basis des fast vergessenen Terrakottamodells zwei Serien kleinformatiger Bronzeplastiken anzufertigen. 


Carin Grudda: Schwerer Engel ? 2004 ? 
vergoldete Bronze, massiv 
17 x 21 x 10 cm (BxHxT)

Das Ergebnis sind ein kleiner Zerberus und ein kleiner Engel, die jeweils in einer Auflage von acht Exemplaren und jeweils drei Künstlergüssen hergestellt wurden. Zusätzlich existieren noch die ursprünglichen Tonfiguren, so dass jede der Serien aus insgesamt zwölf Figuren besteht. Und wir freuen uns ganz besonders, Ihnen heute die goldpolierten Bronzeplastiken zum Subkriptionspreis anbieten zu können. 

Da es sich um massive Bronzegüsse handelt, die trotz ihrer geringen Größe ein überraschend hohes Gewicht auf die Waage bringen, hat Grudda die Engels-Plastik spontan, und mit dem für sie typischen Augenzwinkern, auf den Namen „schwerer Engel“ getauft. Zusammen mit einem kleinen Pegasus, der allerdings inzwischen vergriffen ist, bilden die Figuren eine Trilogie, die den Anfang der künstlerischen Auseinandersetzung Gruddas mit dem Thema plastischskulpturaler Arbeit markiert. Sie sehen, der Herbst hält wieder eine Menge interessanter Kunst- Begegnungen für Sie in unserer Galerie bereit, zu denen wir Sie ganz herzlich einladen möchten. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! 


Mit den besten Grüßen aus Schwalbach, 

herzlichst, Ihr


Peter Elzenheimer

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