Kunstbrief XII

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Kunstbrief XII

KUNSTBRIEF HERBST/WINTER 2012/2013

Ruth Bussmann, Malerei 2000-2012
Christof Paul, Bildhauer - ausgewählte Werke
Liebe Kunstfreundin,
lieber Kunstfreund

In der Ausstellung Ruth Bussmann, Malerei von 2000-2012 zeigen wir verschiedene Werkgruppen der Künstlerin. Mit denen in der Ausstellung gezeigten Werke erhalten Sie einen Überblick der gesamten Bandbreite des künstlerischen Schaffens von Ruth Bussmann.

Nicoletta Torcelli beschreibt die Kunst von Ruth Bussmann in einem Aufsatz: Ambivalente Räume den wir mit freundlicher Genehmigung hier wiedergeben

Jedes Bild von Ruth Bussmann ist ein Balanceakt: Zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen kühler Konstruktion und atmosphärischer Verdichtung. Frauen, Männer, Kinder: Sie werden regelrecht ins Bild gestellt, eingebunden in eine klar strukturierte Welt aus Farbe und Form. Es ist eine Welt der Leere und Stille. Eine Welt der angehaltenen Zeit. In diesen so reduzierten wie stimmungsvollen Kunsträumen gehen die Menschen ihres Weges, festgehalten in erstarrter Bewegung. Ihre Kleidung lässt uns erahnen, welcher Realität sie entstammen. In Mantel und Hut, mit Strandmatte und Sommerkleid oder im Trainingsanzug laufen sie ins Offene, in Richtung Horizont, oder sie stehen da, allein, uns den Rücken zukehrend. Als zöge es sie in Gedanken zu einem fernen Ort jenseits des Horizontes.

 Ein romantisches Sehnsuchtsmotiv. Doch in den Bildern steckt mehr. „Mensch und Raum“ ist das Thema, das Ruth Bussmann seit Jahren konsequent und variationsreich dekliniert. Ihren Gemälden liegen Fotografien von anonymen Zeitgenossen zugrunde, die sie bei ihren Streifzügen mit der Kamera einfängt. Es sind Begegnungen en passant, festgehaltene Augenblicke aus dem Fluss der Zeit. Diese Fotografien bilden für die Künstlerin einen Fundus, einen „Motivspeicher“, den sie, auf der Suche nach neuen formalen Lösungen, immer wieder durchforstet. Aus diesen Fotografien hebt sie einzelne Personen heraus und überträgt sie - inklusive Kleidung und Haltung - in Malerei. Die aus ihrem ursprünglichen Kontext losgelösten Figuren werden zum zentralen Bestandteil ihrer Bildkompositionen. Einerseits werden sie auf diese Weise formalisiert, gewissermaßen abstrahiert; andererseits bleiben sie über Kleidungsstil, Körperbewegung, Statur, Geste und Frisur als Individuen erkennbar. Auch wenn wir in den seltensten Fällen ihr Gesicht sehen: Das Lebendige haftet ihnen an, sie bieten eine Projektionsfläche für individuelle Geschichten. Woher kommen sie, wohin gehen sie? Wer sind sie? Eine junge Frau mit Turnschuhen und Einkaufstasche, ihr Gang voller Sprungkraft. Zielstrebig wirkt sie. Ein Mann mit leicht durch gedrücktem Kreuz, die Beine in den Boden gestemmt, die Arme vor der Brust verschränkt. Als suche er nach einem festen Standpunkt im Leben. Ein Mann, leicht nach vorne gebeugt, den Rucksack über eine Schulter, den Kopf gesenkt – als ginge er in sich versunken den Weg, den er Tag für Tag gehen muss. Ein Paar, das Hand in Hand schlendert: eine Geste der Zusammengehörigkeit. Eine blonde Frau im rückenfreien Sommerkleid, die sich ins nasse, zum Zopf gebundene Haar greift: Entspannt wirkt sie, wie nach einem schönen Sommertag am Strand. Einer anderen Frau mit Strandmatte und lässig über die Schulter geworfene Tasche begegnen wir sogar in zwei Bildern. Ihre Haltung ist identisch, das Kleid ebenso – nur ist es einmal rot und einmal lila. 
Das ist natürlich kein Zufall, denn trotz aller Gegenständlichkeit beschreitet Ruth Bussmann einen Weg in Richtung Abstraktion, indem sie das Verhältnis von Figur und Grund erkundet. Der Grund, in dem die Figuren hineingestellt werden, kann als Landschaft mit Horizontlinie gesehen werden, als Raum also. Die fein nuancierten, erdhaften und blauen Töne evozieren die Vorstellung von Himmel und Erde. Die Weite und Leere der Räume erinnert an die Wüste. Oder an einen menschenleeren Platz mitten im Stadtdschungel.

Doch diese Raume sind ambivalent. Bei vielen Bildern fällt die tiefe Horizontlinie ganz leicht schräg ab und sorgt für eine gewisse Labilität. Und die meisten Bilder haben im oberen Teil eine zweite Horizontlinie. Dieses farblich abgesetzte Feld macht den Illusionscharakter des Raumes zunichte, denn es definiert den Bildgrund als zweidimensionale Fläche, als konkrete Malerei. Wie bei einem Vexierbild: Man kann die Figuren im illusionären, also dreidimensionalen Bildraum verankern, oder man kann sie als Bestandteil der zweidimensionalen Bildfläche begreifen. Im zweiten Fall werden die Figuren zu einem Kompositionsmittel, das dazu dient, das Spannungsgefüge der Formen zueinander und den Dialog der Farbfelder untereinander zu definieren. Ob also die Frau mit Strandmatte und lässig über die Schulter geworfene Tasche ein rotes oder ein lila Kleid trägt, ist von der Gesamtkomposition abhängig, von der Rolle, die der Farbe in jedem Bild speziell zugewiesen wird. Und noch etwas sorgt in den Bildern von Ruth Bussmann für Verunsicherung: Sie sind voller Schatten, die ein Eigenleben führen. Als schmale dunkle Streifen, die meist waagrecht von den Figuren abgehen, verwandeln sie diese gewissermaßen in Sonnenuhren; auf pointierte Weise rücken sie die Menschen ins grelle Licht. Doch bei genauer Betrachtung lösen sich diese Schatten von den Figuren, sie sind im Verhältnis zu diesen viel zu kurz oder zu lang. Sie widersprechen der übrigen Lichtführung. Ihnen haftet nichts Flüchtiges an, nichts Immaterielles. Sie sind genauso kompakt wie der Rest, mehr noch: Ihre konzentrierte Schwärze verschafft ihnen eine vehemente Präsenz. Atmosphärisch geben sie den Bildern eine fast surreale Anmutung. Gleichzeitig sind sie ganz konkret das, was sie sind: Schwarze Streifen in einem zweidimensionalen Feld aus Farbe und Form. Als solche kommt ihnen in erster Linie eine konstruktive Funktion zu: Sie setzen Akzente und Kontrapunkte, sie sind eigenständige Elemente der Komposition.
Die Kunst von Ruth Bussmann lebt von dieser ambivalenten Spannung aus realer Welt und Konstruktion. Jedes Bild entfaltet seinen eigenen Rhythmus. Es definiert Farbe und Form als relationales Feld, und verwandelt dieses Feld gleichzeitig in einen Raum voller dichter Präsenz.


Seit unserer Ausstellung im Jahr 2004 hat Ruth Bussmann eine enorme Entwicklung gemacht, sie ist eine gefragte und vielbeschäftigte Künstlerin.
Sie ist auf großen und bedeutenden Kunstausstellungen vertreten. Wir eröffnen Ihre Ausstellung mit einer Vernissage am 26. Oktober 2012 um 19:00 Uhr, Sie sind herzlich dazu eingeladen. Die Künstlerin und wir freuen uns auf Ihren Besuch und stehen für Gespräche zu Ihrer Verfügung.

In der gleichen Ausstellung zeigen wir ausgewählte Werke des Bildhauers Christof Paul
Christof Paul ist ein sehr vielseitiger Bildhauer, er arbeitet seine Werke vorwiegend in Holz, aber auch in Stein und Bronze. 
In Ergänzung zu den Bildern von Ruth Bussmann, zeigen wir ausgewählte Werke aus der Serie „Eruptionen“. Einen kleinen Ausschnitt seiner realistischen, figürlichen Arbeiten können Sie noch bis zum Frühjahr 2013 im Golfclub Hof Hausen vor der Sonne in Hofheim sehen.  

 Der Ursprung der Serie Eruptionen liegt in den Formen des menschlichen Körpers. Durch Spannungsbögen, Formenfluss und Energiezentren entstehen eruptive, bioamorphe Formen in Holz, Stein und Bronze. Sie symbolisieren die Urkraft des universellen Entstehens. Weich wie das Wasser sind die Übergänge und der Formenfluss. Aber auch die Energie von Vulkanen und heißen Quellen werden in den Werken thematisiert. Es scheint, als ob die Formen verschiedene Geschwindigkeiten haben – manche Arbeiten, wie das Werk „lava“, wirken langsam und träge, manche schnell und explosiv, wie die Werke „outbreak“ und „eruption“.Einige Werke aus Holz sind aus dem natürlichen Wuchs dicker Verzweigungen eines Baumes entstanden. Die vorhandene, natürliche Form wird in ihrer Konstruktion übernommen. Das Werk wird durch herausarbeiten mit Kettensäge, Schnitzeisen, Raspel und Schleifpapier freigelegt und durch weitere Formen ergänzt, die die gesamte Komposition intensivieren. 
Andere Werke entstehen nicht aus gegebenen Grundformen, sondern werden in der Zeichnung und in Tonmodellen konstruiert. Das Konzept wird in vergrößerter Form in Stein oder Holz gearbeitet. Beispiele für diese Herangehensweise sind die große Steinskulptur O.T. aus Muschelkalkstein im Bad Vilbeler Burg Park, und die Holzskulptur „hot spring“. Das Werk „Segel“ besteht aus zwei Formen, die aus Lindenstämmen gearbeitet sind. Obwohl das Werk massiv und schwer ist, erscheint die Form eines vom Wind gespannten Segels. Jedoch ist es von allen Seiten aufgeblasen, als ob der Wind von innen kommt. Die Teile der Form symbolisieren das männliche und das weibliche Prinzip. Der Schwerpunkt dieses Werkes liegt in dem Raum zwischen den beiden Stämmen. Er entsteht durch den Abstand der beiden Teile, und bewirkt eine ganz besondere Spannung – ein ähnliches Gefühl entsteht bei der Betrachtung einer Felsspalte.

Christof Paul ist mit vielen seiner Arbeiten im öffentlichen Raum vertreten, ein Verzeichnis darüber, sowie weitere Informationen über den Künstler erhalten Sie bei der Ausstellung in Bad Soden. 

Der Künstler ist bei der Vernissage anwesend.

Neues und neue Arbeiten von Carin Grudda,
In der Zeit vom 1.12.2012-20.1.2013 zeigen wir Ihnen die neusten Schöpfungen der außergewöhnlichen Künstlerin unter anderem. ihre „Rotbilder“ eine neue Variante ihrer „Blaubilder“ aus früheren Jahren. Es handelt sich dabei auf Schleier-Nessel (transparentes Tuch) gemalte Ölbilder, mit rotem Hintergrund mit typischen Grudda Geschichten.
Die „Große Frau“ von Carin Grudda hat einen festen Platz in Schwalbach. bekommen. Nach sieben Jahren Abstinenz, einer Reise durch halb Europa, kehrt sie in die Nähe ihres alten Standortes zurück. Der Verschönerungs Verein Schwalbach übergab die Skulptur von internationalen Range als Dauerleihgabe an die Stadt. Die Große Frau steht seit August 2012 auf dem Platz vor der alten Schule in Schwalbach/TS.
„Die Große Frau“ Die Mutter, die wir alle haben und in deren Arm wir uns alle gerne einmal nehmen lassen, - ob groß oder klein. Die große Frau ist entstanden als Symbol der Humanität und das bedeutet auch die Verkörperung der Frau schlechthin, der die den Schlüssel des Lebens bewahrt. Sie erzählt von der weiblichen Essenz, von ihrer tiefen Natur. Ihre Kostbarkeit und Schönheit ist in jeder Frau. Sie bedeutet Stärke, Sensibilität, Mut und Verständnis, Liebe zum Leben und für das Leben.


„Menschen am Strand“ 
Georgi Takev, Malerei, Ausstellung in Bad Soden, Stadtgalerie Badehaus im Alten Kurpark.
Der Schwerpunkt der Ausstellung ist das Meer. In seinen Bildern in Galerieformat geht es ihm in erster Linie um Themen und Motive die ihn persönlich berühren. Dadurch ermöglicht er dem Betrachter den Blick für das Alltägliche zu schärfen und im vermeintlich Altbekannten – Neues zu entdecken. Stärker als in seinen anderen Werken zeigt Takev dabei die Verbindung der Natur mit den Menschen. In früheren Jahren malte Takev surrealistisch, Stilleben, Landschaften sowie Stadtansichten sind von ihm bekannt. 
Georgi Takev ist auch ein gefragter Kopist, der im Auftrag von Museen (Frankfurter Städel) Gemälde kopiert oder rekonstruiert. Ein prominentes Beispiel seiner Schaffenskraft können Sie im Kamerliterkloster in Frankfurt am Main sehen „ Die Anbetung der Heiligen Drei Könige“ eine monumentale Wandmalerei von Jörg Ratgeb (16. Jahr.)
Die Ausstellung endet mit einer Finissage am Sonntag den 27.01. 2013, der Künstler ist anwesende und freut sich auf interessante Gespräche mit Ihnen. 
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